Die Voraussetzungen
zur Eröffnung 1 ©
/ ª
Edelfarben eröffnen wir relativ aggressiv.
An erster und zweiter
Position müssen sie durchaus solide sein, aber weil wir
einerseits
vom barragierenden Effekt profitieren können und man andererseits
durchaus auch mal „4
©“oder
„4 ª“
mit zu wenig Punkten
erfüllen kann, sind wir hier weniger zurückhaltend als bei
den Unterfarbeneröffnungen. Das Minimum liegt bei unausgeglichen
verteilten
Händen bei 10 HP.
Grundsätzlich gilt aber auch hier: Öffnen
Sie jede Hand, wenn
Sie mindestens 13 HP
haben. Besitzen Sie nur 12 HP, öffnen
Sie immer, wenn Sie über
mindestens 2½ Defensivstiche
verfügen und die Wiederansage keine Schwierigkeiten bietet
(egal
was der Partner lizitiert). Wenn Sie nicht in allen Fällen
eine Wiederansage
haben, sollten sie über ein "pass" ernsthaft
nachdenken. Mit 11 HP und
ausgeglichen verteiltem Blatt sollten
Sie immer passen.
Unausgeglichene
Hände werden aber in der Edelfarbe
aggressiv
eröffnet.
|
Öffnen Sie z.B. 1
ª
mit
ª
AKxxx oder
ª
AQxxxx
©
xx
©
KJxx
¨
Axxx
¨
xx
|
Wichtig bei einem Entscheid, ob es sich um
eine Eröffnung oder
nicht handelt, sind insbesondere folgende Punkte:
-
Die Punkte, die Sie besitzen
-
Die Topstiche, die Sie besitzen
-
Die Verteilung Ihres Blattes
Bei ausgeglichen verteilten Händen brauchen
Sie für eine
Eröffnung mehr HP als bei unausgeglichen verteilten Händen.
Was versteht man
unter Topstichen? Wir verstehen
darunter Figuren und
Figurenkonstellationen, die sowohl
beim Hand- als auch beim Gegenspiel
rasch realisierbare
Stiche versprechen. Einige Beispiele:
|
AK |
à
entsprechen zwei Topstichen |
|
A |
à
entspricht einem Topstich |
|
AQ |
à
entsprechen 1½ Topstichen |
|
KQ |
à
entsprechen einem Topstich |
|
K2 |
à
entsprechen einem halben Topstich |
Nochmals also im Sinne einer
Zusammenfassung sei festgehalten:
Eine Eröffnung an erster und zweiter Stelle
verspricht entweder
ein Minimum von 13 HP oder aber von 2½ Topstiche (2 davon
in
den "langen" Farben) und eine problemlose Wiederansage.
Das verändert sich bei Eröffnungen an
dritter und vierter Stelle.
Hier wird aus
folgenden Gründen aggressiv eröffnet:
- Der Partner, welcher an erster und zweiter Stelle ja bloss
gute Hände
eröffnet, muss geschützt werden.
- Den Gegnern soll das Leben erschwert werden. Deshalb
eignen sich gerade
Dritthanderöffnungen auch so hervorragend für „Bluffgebote“.
An dritter und vierter Stelle kann man auch
4er-Edelfarben
eröffnen, wenn sie
vernünftig gut sind. Einen kleinen praktischen:
Tipp habe ich aber für Sie:
Öffnen Sie 4er-Edelfarben erst dann,
wenn Sie technisch exakt wissen, wie man
einen 4-3 Trumpffit
im Handspiel meistern muss (denn der Partner geht immer von
einer 5er-Farbe bei Ihnen aus). Weiter sollte man diesen Bluff
mit einer
4er-Farbe nur machen, wenn man nicht die Stärke
von mindestens einer normalen
Eröffnung hat. Ist Letzteres
der Fall, eröffnen Sie völlig normal wie es das
System vorsieht,
um jederzeit den korrekten Kontrakt zu erreichen.
Wenn Sie eine vernünftige 5er-Edelfarbe
haben, empfehle ich
Ihnen an dritter und vierter Position generell ab 10/11 HP
zu
eröffnen.
Allerdings muss man an vierter Stelle auch
noch die "Pikregel"
beachten. Zählen Sie
Ihre HP zusammen und addieren Sie zum
Ergebnis Ihre
ª-Karten:
Wenn Sie dann nicht mindestens 15
erhalten, sollten Sie passen (denn wir wollen
ja nicht für den
Gegner öffnen).
Hier noch zwei Beispiele von
ª-Eröffnungen
an dritter Stelle:
|
Beispiel 1 |
|
|
Beispiel 2: |
|
|
|
Die Eröffnung kann noch schwächer
sein |
|
|
(Bitte passen, falls Sie nicht
gewohnt sind,
im 4-3-Fit zu spielen.) |
|
ª
KJxxx |
|
|
ª
KJ10x |
|
|
©
Q9x |
|
|
©
Qxx |
|
|
¨
Kxx |
|
|
¨
Kxx |
|
|
§
Qx |
|
|
§
K98 |
|
Generell überlegen Sie sich folgendes,
bevor Sie mit einem
schwachen Blatt an dritter Stelle eröffnen: Sind Sie in der
Lage,
eine vernünftige Ansage zu finden, wenn der Partner
beispielsweise in
Ihrer Kürze lizitiert?
Das Folgelizit nach 1
©/ª
-
die ersten Ansagen:
Doch nun zum Folgelizit. Viele Ansagen
zeigen einen Fit und
umschreiben diesen detailliert.
"1 NT" wird nach Eröffnungen an erster und
zweiter Stelle als
forcierend für eine Runde gespielt. Die Ansage kann auch mit
sehr starken Blättern, einem schönen Fit und einer noch nicht
bekannten Chicane
eingesetzt werden.
Weiter verwenden wir die modifizierten "Bergen-raises"
(= Bergen-raises modified), „2 NT“ zeigt 13+ HP und einen Fit
(à
„Jacobi-Konvention“), weiter spielen wir
nach Eröffnungen
an dritter und vierter Stelle „Two
way Drury“, last but not least
spielen wir „Splinter“.
Zuerst möchte ich auf die eigentlichen
Fitansagen eingehen:
|
1
© |
1 NT: |
Die Ansage verspricht 6+ HP und ist
zumindest forcierend für eine Runde; sie wird auch mit starken Blättern
(ab11 HP) und schönem Fit sowie einer noch nicht bekannten Chicane
verwendet. |
|
|
2
©: |
Nach 1./2. Hand: 5-8(9) HP,
explizit 3er-©
Nach 3./4. Hand: 5-9(10) HP, 3-4
© |
|
|
2
ª: |
Nach 3./4. Hand: Fit in
©,
8-9(10) HP, long-suit-try,
zeigt also Fit in
©
(4 Karten) und eine zweite Farbe, in der man Unterstützung sucht, weiter
8-9(10) HP |
|
|
2 NT: |
13+ HP, Fit Herz, forcing (ist zu
alertieren); Achtung: Hat man schon gepasst, ist die Ansage
short-suit-try,
zeigt also Singleton
§ und 8-9(10) HP (mit einer NT-Verteilung und
11-12 HP lizitiert man „1 NT“) |
|
|
3
§: |
Nach 1./2. Hand
Bergen-raises modified: 10-12 HP,
4er-©
Nach 3./4.
Hand: Short-suit-try,
zeigt also Singleton
¨
und 8-9(10) HP |
|
|
3
¨: |
Nach 1./2. Hand
Bergen-raises modified: 6-9 HP, 4er-©
Nach 3./4. Hand:
Short-suit-try,
zeigt also Singleton
ª
und 8-9(10) HP |
|
|
3
©: |
Nach 1./2. Hand
Bergen-raises modified: 0-5 HP,
4-5 ©
Nach 3./4. Hand: 5er-©,
barragierend, 6-10 HP |
|
|
3
ª: |
Fit, 12+ HP,
Splinter (explizit Singleton nach
Eröffnungen an 1./2. Stelle) |
|
|
3 NT: |
3er-©,
13-15 HP (sonst zuerst neue Farbe sagen!) |
|
|
4
§ /
¨: |
Fit, 12+ HP,
Splinter (explizit Singleton nach
Eröffnungen an 1./2. Stelle) |
|
|
4
©: |
Nach 1./2. Hand: 4-9 HP, 5er-©,
oft hat man Singleton (alertieren)
Nach 3./4. Hand: 4-9 HP, 6er-©
(alertieren) |
|
|
2
§: |
nach 3./4. Hand:
Two way Drury-modified, Fit mit 4+
Karten, Anfrage nach Stärke des Partners, zeigt (10)11-12 HP |
|
|
2
¨: |
nach 3./4. Hand:
Two way Drury-modified, Fit mit
exakt 3 Karten, Anfrage nach Stärke des Partners, zeigt (10)11-12 HP |
|
|
5
§: |
Exclusion Key Card Blackwood (5
As-Frage ohne das As in angesagter Farbe (§)),
(5 ¨
zeigt 3/0, 5
©
4/1 etc.) |
|
|
5
¨: |
Exclusion Key Card Blackwood (5 As-Frage ohne das
As in angesagter Farbe (¨)),
(5 ©
zeigt 3/0, 5 ª 4/1
etc.) |
Mit Fit in der eröffneten Edelfarbe und
einer Chicane oder
einem Singleton As sowie Schlemminteresse geht man über
„1 NT
– forcing“ und lizitiert danach den „Splinter“. Im
Unterschied zum Exclusion Key
card Blackwood muss man erst sicherstellen, ob dem Partner die eigene Chicane
zusagt.
Fit kann aber auch folgendes Lizit zeigen:
|
1
© |
1 NT |
Bedeutung der Ansage |
|
2
§ /
¨ |
2
©: |
6-10 HP, nur 2 Karten in
©
|
|
|
3
©: |
(9)10-12 HP, 3er-Fit in
© |
Dies gilt aber nur nach Erst- und
Zweithanderöffnungen,
denn sonst verwendet man mit einem 3+ Kartenfit und
10+ HP
die Konvention "Two way Drury modified"
(man sagt also mit einem schönen Fit (ab vier Karten)
"2
§" respektive
mit einem 3er-Fit „2
¨“.).
|
1
ª |
1 NT: |
Die Ansage verspricht 6+ HP und ist
zumindest forcierend für eine Runde; sie wird auch mit starken Blättern
(ab11 HP) und schönem Fit sowie einer noch nicht bekannten Chicane
verwendet. |
|
|
2
ª: |
|
|
|
2 NT: |
13+ HP, Fit Pik, forcing (ist zu
alertieren); Achtung: Hat man schon gepasst, ist die Ansage
long-suit-try,
zeigt also Fit in ª
(4 Karten) und eine zweite Farbe, in der man Unterstützung sucht, weiter
8-9(10) HP (mit einer NT-Verteilung und 11-12 HP lizitiert man „1 NT“) |
|
|
3
§: |
Nach 1./2. Hand
Bergen-raises modified: 10-12 HP,
4er-Pik (alertieren)
|
|
|
3
¨: |
Nach 1./2. Hand
Bergen-raises modified: 6-9 HP,
4er-Pik (alertieren)
Nach 3./4.
Hand: Short-suit-try,
zeigt also Singleton
©
und 8-9(10) HP |
|
|
3
©: |
Nach 1./2. Hand: 8 HP, 6+
©,
barragierend (alertieren)
Nach 3./4.
Hand: Short-suit-try,
zeigt also Singleton
§
und 8-9(10) HP |
|
|
3
ª: |
Nach 1./2. Hand
Bergen-raises modified: 0-5 HP, 4-5
Pik (alertieren)
Nach 3./4. Hand: 5er-Pik,
barragierend, 6-10 HP |
|
|
3 NT: |
|
|
|
4
§ /
¨: |
Fit, 12+ HP, Splinter (explizit
Singleton nach Eröffnungen an 1./2. Stelle) |
|
|
4
©: |
Fit, 12+ HP, Splinter
©
(explizit Singleton nach Eröffnungen an 1./2. Stelle) |
|
|
4
ª: |
Nach 1./2. Hand: 4-9 HP, 5er-ª,
oft hat man Singleton (alertieren)
Nach 3./4. Hand: 4-9 HP, 6er-ª
(alertieren) |
|
|
2
§: |
Nach 3./4. Hand:
Two way Drury modified, Fit mit
mindestens 4 Karten, Anfrage nach Stärke des Partners, (10)11-12 HP |
|
|
2
¨:
|
nach 3./4. Hand:
Two way Drury-modified, Fit mit
exakt 3 Karten, Anfrage nach Stärke des Partners, (10)11-12 HP |
|
|
5
§: |
|
|
|
5
¨: |
Exclusion Key Card Blackwood (5
As-Frage ohne das As in angesagter Farbe (¨)),
(5 ©
zeigt 3/0, 5 ª
4/1 etc.) |
|
|
5
©: |
Exclusion Key Card Blackwood (5
As-Frage ohne das As in angesagter Farbe (©)),
(5 ª
zeigt 3/0, 5 NT 4/1 etc.) |
|
|
|
|
|
|
|
1
© |
1
ª |
2
§ |
pass |
|
|
2
¨: |
|
|
|
|
|
2
©: |
|
|
|
6 Herz, 11-13 HP |
|
2
ª: |
|
|
|
Stopperfrage, 12-13 HP |
|
2 NT: |
|
|
|
12-13 HP, Stopper Pik,
ausgeglichene Verteilung |
|
3
§: |
|
|
|
11-13 HP, 4+ Treff |
|
3
¨: |
|
|
|
(4)5 Karo, 11-13 HP |
|
3
©: |
|
|
|
6-7 schöne Herz, 11-13 HP |
|
3 NT: |
|
|
|
14-15 HP, Stopper Pik,
ausgeglichen verteilt |
|
Verwendet man die Konvention Roudi, hat dies weitere
Konsequenzen: Der Sprung des Antwortenden in seiner Farbe auf die
Stufe 3 zeigt mindestens 6 Karten und Schlemminteresse.
|
1 © |
1 ª |
Bedeutung der Ansage |
|
1 NT |
|
6+ Karten in ª,
16+ HP, Schlemminteresse |
Hat man demgegenüber eine 6er-ª
und 11-12 HP, möchte also
bloss zum vollen Spiel einladen, geht man über „Roudi“.
Dort
erfährt man alles, was man wissen will.
Auch der Sprung in eine neue Farbe oder in die Farbe des
Eröffners hat eine spezielle Bedeutung, zeigt nämlich explizit
einen Zweifärber
(mindestens 5-5).
|
1
© |
1
ª |
|
|
1 NT |
3
§: |
13+ HP, 5
ª,
5 § |
|
|
3
¨:
|
13+ HP, 5
ª,
5 ¨ |
|
|
3 ©: |
13+ HP, 5
©, 5+
ª |
Hat man 13+ HP, aber nur 4 Karten der zweiten Farbe,
lizitiert man
zuerst “Roudi” und danach die Farbe in natürlicher Art und Weise.
Hat der Gegner auf Stufe 1 interveniert und der Partner des
Eröffners ebenfalls auf Stufe 1 eine Farbe lizitiert, entwickelt
sich das
weitere Lizit nach Eröffners Sprung in „2 NT“ genau
gleich, wie wenn der Gegner
nicht interveniert hätte. Einzig
der Überruf der Gegnerfarbe fragt nun nach
soliden 1 ½ +
Stopper.
|