Grundvoraussetzungen für einen erfolgreichen Trainer:

Als Trainer eines Mantrailing Teams muss man Hundeführerin respektive Hundeführer sowie Hündin respektive Hund sehr gut beobachten können, um hilfreiche Tipps geben zu können. Weiter braucht es natürlich viel Wissen und Erfahrung. Und ohne fundierte Kenntnisse, wie man erfolgreich ausbildet, wird man keinen Erfolg haben.

Das beginnt beim Hund. Man muss wissen, wie Hunde sich allgemein verhalten, man muss aber auch das einzelne Individuum kennen und “durchschauen”. Man muss erkennen, warum etwas funktioniert oder nicht klappt. Man muss erkennen, ob der Hund zwar will, aber nicht kann (dann helfen wir), oder ob der Hund zwar kann aber gerade eigene Interessen verfolgt (dann sind wir streng mit ihm).

An was muss im Training gearbeitet werden:

Jeder Hund kann riechen, das müssen wir ihm nicht beibringen. Als Trainer bildet man den Hund an Themen wie Selbständigkeit, Zuverlässigkeit, Beharrlichkeit und dem Willen zu Finden aus. Will der Hund arbeiten, fehlt es ihm aber in einer Situation an Erfahrung, wie er diese lösen muss, hilft ein Trainer der Paarung. Beispielsweise wenn der Hund eine Kreuzung überläuft und plötzlich kein Geruch mehr da ist und er noch nicht die Erfahrung hat, selbst umzudrehen, nehmen wir ihn aus dem Trail, führen ihn vor die Entscheidung zurück und lassen ihn an einem Ort starten, bei dem wir aufgrund der lokalen Windverhältnisse damit rechnen dürfen, dass hier Geruch sein sollte. Gerade bei unerfahrenen Junghunden lassen wir diesen nie mehr als 10 Meter überlaufen, weil wir verhindern wollen, dass der Hund zufällig wieder auf die Spur findet und für sich den Schluss zieht, bei fehlendem Geruch einfach weiter zu laufen und dann komme der Geruch dann schon wieder. Der Hund, der arbeiten will, wird nicht gerne aus dem Trail genommen, aber er lernt so, genauer zu arbeiten und vergleichbare Fehler so zu vermeiden.

Ähnliches kann passieren, wenn ein Hund beispielsweise auf einem Parkplatz oder einem Hinterhof in einem Geruchspool landet und nicht herausfindet: Wir nehmen ihn heraus, setzen ihn an einem geeigneten Ort an und lassen ihn laufen. Er wird nun dem Geruch auf dem richtigen Weg folgen und etwas lernen. Beispielsweise unsere Hündin Hazel hat bei so einer Vorgehensweise gelernt, den Geruch am Rande zu suchen, um wieder am richtigen Ort herauszufinden.

Bei unerfahren Hunden helfen wir auch, wenn er mit Situationen wie andere Tieren, Menschen, Lärmquellen oder dergleichen noch nicht umgehen kann. Die Hundeführerin respektive der Hundeführer werden angewiesen, den Hund am Halsband zu nehmen und daran vorbei zu führen. Danach aber umgehend weiter trailen lassen. Solche Alltagstauglichkeit ist aber nicht beim Mantrailing Training sicher zu stellen, sondern bei anderer Gelegenheit. Dennoch lernt der Hund auch hier, dass er die Störfaktoren ignorieren soll und weiter der Geruchsspur zu folgen hat, zumal dies zum Erfolg und damit zur geliebten Belohnung führt.

Bei gewissen Teams hat der Hund die Oberhand, das heisst, er meint bestimmen zu können, ob er nun Lust zur Arbeit hat oder nicht. Hier muss man streng (aber nie böse und demotivierend) mit dem Hund sein und ihn zur Arbeit auffordern. Solche Probleme lassen sich aber nicht alleine im Mantrailing Training lösen. Hier muss an den Grundsätzen des Teams Mensch – Hund gearbeitet werden. Klassische Hundeerziehung ist gefordert. Der Hund muss lernen, dass gilt was die Hundeführerin respektive der Hundeführer von ihm will. Dies erfordert klare Anweisungen und absolute Konsequenz bei der Durchsetzung. Solange der Hund weiss, dass der Mensch zwar etwas verlangt, es aber nicht konsequent einfordert, wird man sich nicht auf ihn verlassen können. Und wenn er in der Freizeit machen kann, was er will, wieso soll er dann bei Mantrailing dies nicht tun? Das gilt auch beim Auftauchen einer Katze oder eines Hundes und dergleichen. Wenn hier eine klare Aufforderung zum weiter arbeiten nicht reicht heisst es zurück in die Hundeerziehung. Auf dem Trail aber, bei dem solches Verhalten nicht mit der klaren Aufforderung gelöst werden kann, nimmt man den Hund am Halsband von der Stelle des Problems weg und fordert die Arbeit wieder ein – so nimmt man den Hund aus der Konfliktsituation heraus und kehrt zum Mantrailing zurück – den Umgang mit solchen Situationen übt man dann ausserhalb des Mantrailing Trainings.

Um ein Mantrailing Team erfolgreich auszubilden, sollte man immer wieder neue Trainingsorte einsetzen, damit das Team immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt wird.

Opferbindung:

Der Hund muss Freude haben, eine vermisste Person zu finden. Um dies zu fördern, wird beim Aufbau eines Hundes die Opferbindung eingesetzt. Die später zu suchende Person beschäftigt sich spielerisch mit dem Hund, so dass dieser Freude an der Person entwickelt. Dabei wird auch ein Futter eingesetzt, dass der Hund nur beim Mantrailing erhält und das er besonders liebt.

Training mit der Hundeführerin / dem Hundeführer:

Beim Mantrailing empfehlen wir aus Sicherheitsgründen immer Warnwesten zu tragen. Ausser als Versteckperson im Zielbereich, da die Hunde sonst lernen, ein potentielles Opfer trage immer eine Warnweste.

Viel Aufmerksamtkeit muss der Trainer für die Hundeführerin respektive den Hundeführer einbringen. Die meisten Fehler passieren nämlich beim Menschen und sind nicht durch den Hund verursacht. Das beginnt mit einem konsequenten Einsatz der Rituale, als Mensch erst zu starten wenn der Hund losläuft, geht weiter mit einem sauberen Leinenhandling, dem konsequent hinter dem Hund laufen (wir gehen nicht mit ihm spazieren), der Orientierung am Tempo des Hundes (wir dürfen den Hund nicht “schieben”), dem stehen bleiben wenn der Hund sich orientiert und endet an einem Punkt, der am meisten unterschätzt wird: Dem Mentalen. Viele Hundeführer denken mit, wo der Trail durchgehen könnte, statt sich auf die Arbeit und den Hund zu konzentrieren. Die Hundeführerin respektive der Hundeführer müssen den Hund mental unterstützen, stattdessen reagieren viele mit Emotionen, was dem Hund die Freude nehmen und ihn verunsichern kann. Zweifelt die Hundeführerin respektive der Hundeführer immer wieder daran, ob der Hund noch den Geruch der Spur in der Nase hat und dieser folgt, realisiert dies der Hund stellt oft die Arbeit ein. Dies ist besonders verhängnisvoll, wenn der Hund an einer Kreuzung oder auf einem offenen Platz alle Optionen abarbeitet und von hinten in Frage gestellt wird. Also gedanklich beim Hund sein, ihn das Vertrauen spüren lassen und einfach mit ihm mitgehen ist die Basis des Erfolgs.

Solides Wissen und Anwenden mentaler Methoden ist unabdingbare Voraussetzung beim Spitzensport, genauso hilfreich ist es beim Mantrailing. Viele Mantrailing Teams kümmern sich um gute Technik, realisieren aber nicht, dass die mentalen Voraussetzungen für den Erfolg fehlen. Das Kennen und Trainieren mentaler Methoden hilft, beim Menschen und Hund Konzentrationsfähigkeit zu üben und Emotionen aussen vor zu lassen.

Wer kennt einen ausgelegten Trail?

Wenn man als Trainer einen Trail auslegt, darf die Hundeführerin respektive der Hundeführer (und auch die Beobachter des Geschehens) nicht wissen, wo die Versteckperson durchgelaufen ist. Denn Hunde lesen den Menschen sehr gut. Kleinste – auch unbewusste – Aktionen werden registriert. Zum Beispiel, wenn die den Hund führende Person erleichtert ist, dass der Hund den richtigen Abgang gefunden hat. Und schon beginnt der Hund sich auf seinen Begleiter statt auf seine Nase zu verlassen. Ein fataler Fehler bei der Ausbildung der Spürnase.

Der Trainer sollte nicht zusammen mit der Versteckperson den Trail ablaufen. Der Hund könnte sich sonst daran gewöhnen, dass er eine Doppelspur – also die Spuren von zwei Personen – zur Orientierung hat. Also entweder die Versteckperson genau instruieren, wo sie durchzugehen hat (am besten zeichnet diese alles in der Mantrailing-App auf und schickt dies dem Trainer) oder zumindest teilweise parallel gehen (beispielsweise am Start und dann sich bei einer Kreuzung wieder treffen).

Förderung durch Lob, Verzicht auf Strafmassnahmen:

Hunde denken immer im Moment, setzen sich dem auseinander, was gerade passiert. Toleriert eine Hundemutter ein Verhalten eines Welpen nicht, korrigiert sie diesen und verhält sich dann wieder so, als wäre nichts gewesen. Frisst ein Hund ohne Erlaubnis etwas in der Natur, versteht er, wenn er unmittelbar daran gehindert wird und es ihm verboten wird. Wird er anschliessend zur Strafe an der Leine geführt, kann er dies nicht verknüpfen. Genau aus diesem Grund ist es auch ein Irrglaube, wenn man einen Hund, der seinen eigenen Interessen nachgeht anstatt zu arbeiten, aus dem Trail raus nimmt und zur Strafe ins Auto setzt. Der Hund lernt daraus nichts – und schon gar nicht richtiges Mantrailing.

Erfolgreiches Mantrailing bedingt, dass Hunde lernen, selbständig zu arbeiten, also in unserem Beispiel einer vorgegebenen Spur zu folgen. Die Hundeführerin respektive der Hundeführer können ihm dabei nur in motivierender Weise beistehen, selber suchen können sie mangels entsprechender Fähigkeiten nicht. Um dies erfolgreich zu üben, empfiehlt es sich, schon im Welpenalter mit dem Mantrailing – Training zu beginnen. Parallel lehrt man dem Hund auch Grundgehorsam, aber nicht eine Art Unterwürfigkeit wie bei Agility oder Obedience. Dies ist für Mantrailing kontraproduktiv, da sich der Hund bei den genannten Sportarten zu 100% nach den Vorgaben des Menschen zu richten hat statt selbständig Lösungen zu erarbeiten.

Wie testet man ob der Hund trailt oder stöbert:

Hunde die stöbern können eine Person, welche in ein Gebäude gegangen ist, dessen Türe immer wieder geschlossen ist, nicht anzeigen. Legt man also beispielsweise einen Trail in ein Kaufhaus hinein, wird nur der Mantrailing Hund den Eingang finden und die Versteckperson anzeigen.

Übungen für die Startphase:

Bei unerfahrenen Hunden muss man darauf achten, dass der Startbereich möglichst wenig kontaminiert ist. Daher beginnen wir in unseren Trainingseinheiten meist mit diesen Hunden. Bei erfahrenen Hunden ist die Poolbildung im Startbereich kein Problem.

Es gibt Hunde die starten sofort nach der Geruchsaufnahme, andere orientieren sich erst. Dies braucht Geduld, keinesfalls sollte man nun motivierende Bewegungen verwenden, um den Hund zum Starten anzuspornen, denn damit gibt man diesem gleich eine eventuell falsche Laufrichtung an.

Um Abwechslung ins Training zu bringen kann man auch eine Person bestimmen, welche den Geruchsträger einer anderen Person an die Hundeführerin respektive den Hundeführer übergibt; die den Geruchsträger übergebende Person wird dann durch den Trainer versteckt, während die Person, von der der Geruchsträger stammt, irgendwo auf dem Startplatz wartet. Ein gut ausgebildeter Mantrailing Hund wird nicht der Versteckperson folgen, sondern die Person von der der Geruchsträger stammt, am Standort des Starts anzeigen. Mit dieser Übung trainiert man auch die Hundeführerin respektive den Hundeführer, da getestet werden kann, ob sie/er dem Hund auch traut, wenn dieser nicht einer vermeintlichen Geruchspur nachgeht sondern eine Versteckperson auf dem Startplatz anzeigt.

Damit die Hundeführerin respektive der Hundeführer nicht weiss, in welche Richtung gestartet wird (und damit den Hund nicht beeinflussen kann), ist es ratsam, bei erfahrenen Teams den Start ausserhalb von dessen Sichtbereich zu legen. Am besten auf einem Platz. Das Team erhält selbstverständlich keine Information zur Startrichtung.

Als Spielvariante können auch zwei Teams gleichzeitig am gleichen Ort starten, selbstverständlich auf unterschiedliche Versteckpersonen. Sehr interessant, die Hunde dabei zu beobachten.

Üben kann man auch die negative Geruchsanzeige, wir empfehlen dies aber nur ausnahmsweise zu machen und danach gleich einen positiven Trail anzuhängen um den Hund nicht zu demotivieren. Bei dieser Übung wird dem Hund der Geruch einer Versteckperson offeriert, die gar nicht im Startbereich ist oder war. Der Hund soll der Hundeführerin respektive dem Hundeführer anzeigen, dass er keine Geruchsspur hat. Beispielsweise mit Anspringen oder Hinsetzen und Blickkontakt.

Übungen in der Phase “Verlauf des Trails”:

Wichtig ist, dass man – je erfahrener das Mantrailing Team wird – zunehmend nicht nur auf frischen Geruchsspuren trainiert, sondern auch auf mindestens 18 Stunden zuvor gelegten Spuren. Auch die Länge der Trails muss variiert werden, damit sich weder Mensch noch Hund an eine bestimmte Dauer des Trails gewöhnen können.

Bei länger dauernden Einsätzen muss man dem Hund Pausen ermöglichen, auch beispielsweise um etwas zu trinken. Die Hundeführerin respektive der Hundeführer greifen dabei ans Halsband und sagen einen Befehl, wir zum Beispiel verwenden den Begriff “warta” (= warten). Identisch geht man vor, wenn der Hund eine befahrene Strasse überqueren will, dies wegen des Verkehrs aber gerade nicht möglich ist. Damit “friert” man den Hund während des Trails ein, geht es weiter, lässt man das Halsband los und verwendet das zweite Wort, bei uns “arbeiten”. Damit dies auch in Ernstfällen klappt, muss man dies unbedingt üben.

Spannend ist es, den Hund Thermik-Themen ausarbeiten zu lassen. Eine spezielle Herausforderung für ein Mantrailing Team sind Unterführungen, bei denen mehrere Ein- respektive Ausgänge auf einen Platz in der Mitte führen. Die Thermik verwirbelt die Geruchsspur und fordert dem Hund einiges ab. Hier ein weiteres Beispiel beim Bahnhof Effretikon.

Da eine vermisste Person selten den ganzen Weg ohne mal stehen zu bleiben geht, muss der Hund lernen, mit einem Geruchspool umzugehen. Beim Stehen bleiben passiert das Gleiche wie am Zielort, da sich die Person länger nicht bewegt, dennoch aber permanent Geruch abgibt, entsteht so ein Geruchspool. Man kann die Versteckperson anweisen, dies zu simulieren: Sie soll beim Auslegen der Spur an einem Ort 10 bis 20 Minuten stehen bleiben und dann zum Ziel weiterlaufen. Der Hund wird wegen des Pools zuerst denken, er sei im Zielgebiet, findet er den Ausgang trailt er wie üblich weiter.

Manchmal verläuft sich eine zu suchende Person auch in einen Weg, auf dem sie nicht weiterkommt, dann zurück geht und eine andere Abzweigung wählt. Der Hund muss lernen, den Geruch (alt versus neu) zu differenzieren und sollte direkt die neue Abzweigung wählen, um die Versteckperson schneller zu finden und Energie zu sparen.

Übungen zur Phase “Arbeit im Zielgebiet”:

Normalerweise findet der Hund seine Versteckperson stehend, sitzend oder liegend. Eine Alternative ist, die Versteckperson im Zielgebiet auf einem Platz umher laufen zu lassen, allenfalls gar auf einem gut besuchten Platz, was die Herausforderung erhöht. Nicht leicht zu finden ist eine erhöht sitzende Person (auf einem Dach oder so) oder wenn sie in einer Mulde oder dergleichen ist. Oder die Versteckperson ist in einem geschlossenen Raum, beispielsweise in einem Spielhäuschen oder dergleichen. Eine Herausforderung ist es für einen Mantrailer, die Versteckperson in einem Einkaufszentrum zu platzieren. In diesem Fall wurde diese angewiesen, sich auf den Sitz eines Passphotoautomaten zu setzen und den Vorhang zu ziehen. Man sieht schön, wie Labradorhündin Hazel den Weg dort findet und schliesslich auch die Versteckperson anzeigt.

Man kann am Ziel auch Verleitpersonen einsetzen. Beispielsweise drei Personen, von denen eine die Versteckperson ist, laufen miteinander den Trail ins Ziel und stellen sich dort nebeneinander im Abstand von etwa 2 Metern auf (Line-up). Nun muss der Hund die richtige Person anzeigen.

Eine vermisste Person steht oder sitzt nicht immer an einem Ort, bis sie gefunden wird. Um dies zu üben haben wir bei diesem Beispiel die Versteckperson angewiesen, auf einem grösseren Platz zehn Minuten lang immer wieder den Standort zu wechseln und dann an einem Ort stehen zu bleiben, an dem man sie nicht sehen kann. Wir sehen, wie die Hündin sich von Standort zu Standort voran arbeitet und schliesslich die Versteckperson findet. Diese Endphase des Trails wurde Double Blind gelaufen. Der Hund übt damit die Geruchsdifferenzierung, die Hundeführerin respektive der Hundeführer lernt damit umzugehen, wenn der Hund nicht einfach direkt den Weg zur Versteckperson findet, sondern sich kreuz und quer zum Ziel vorarbeiten muss.