Geruchsträger

Den Geruch offeriert man dem Hund mit einem Gefrierbeutel der Grösse 3 bis 3 1/2 Liter, welcher oben verschlosssen werden kann. In diesem Beutel bewahrt man den Geruchsgegenstand der vermissten Person auf, bis dieser dann dem Hund zu Beginn des Einsatzes offeriert wird. Achten Sie darauf, dass die Tüte nicht über die Augen gezogen wird, die Nase des Hundes nicht auf den Geruchsgegenstand gepresst wird (Abstand von einigen Zentimetern) und ihre Finger ausserhalb der Tüte sind. Wir empfehlen, den Hund dreimal einatmen zu lassen, um sicher zu gehen, dass er den Geruch, dem er folgen soll, nun kennt.

Der Geruchsträger wird in einer verschlossenen Tüte angeboten, damit der Geruch nicht mit anderen Gerüchen kontaminiert wird. Dies ist auch der Grund weshalb sowohl Geruchsgegenstand als auch Tüte nur einmal verwendet werden dürfen. Ist ein Mantrailing Team gut ausgebildet entscheidet über Erfolg und Misserfolg im Ernsteinsatz zu 90% die Qualität des Geruchsgegenstandes und die Aufnahme des Geruchs durch den Hund. Präsentiert man dem Hund den Geruch ausserhalb der Tüte, weiss man nicht, welchem Geruch (den vom Geruchsträger oder was sonst gerade so in der Luft ist) er nach dem ersten Trailwort folgt – die Suche verkommt zum Zufallsergebnis, ärgerlich bei Mantrailing als Freizeitbeschäftigung, grobfahrlässig bei Ernsteinsätzen.

Weigert sich der Hund zu Beginn, seine Nase in die Tüte zu stecken, muss man dies (ausserhalb des Mantrailing-Trainings) spielerisch lösen. Ihm die Angst nehmen. Wir haben beispielsweise mit unserer Hündin Hazel und dem Sack gespielt, damit sie das „Rascheln“ der Tüte nicht verunsichert. Geht es einfach um ein Machtspiel, bei dem der Hund seinen Willen durchsetzen will, darf die Hundeführerin oder der Hundeführer nicht nachgeben, sonst verliert man solche „Diskussionen“ überall wo der Hund seinen eigenen Willen durchsetzen will.

Als Geruchsträger eignet sich alles, was eindeutig den Geruch der vermissten Person trägt und nicht kontaminiert ist. Seine Brille, sein Hörgerät, sein Gebiss, sein Kamm und dergleichen. In Kongo werden mit Mantrailern Wilderer gejagt, als Geruchsträger werden aufgefundene Projektile verwendet. Der Geruch ist eindeutig, obwohl die Patronen beim Abschuss 1000 Grad heiss werden. Hitze vernichtet also den Geruch nicht. Daher eignen sich Kleidungsstücke beispielsweise bei einer vermissten Person aus einem Altersheim kaum, da diese zu wenig heiss gewaschen werden und daher kontaminierte Spuren anderer Heimbewohner auf den Kleidern sind – welcher Spur folgt nun der Hund, denn es wohnen ja all die möglichen Lieferanten des Geruchs im Heim? Auch im Training muss man den Geruch sauber in die Tüte geben, damit der Hund nur den Geruchsgegenstand und nicht zusätzliche Informationen hat; daher wird der Gegenstand nicht hineingelegt, sondern hinein geworfen, so vermeidet der Figurant, dass der Hund auch noch Hautpartikel präsentiert bekommt. Als gute Geruchsgegenstände haben sich bei uns auch schon ein Mobiltelefon, eine Nagelschere, ein gekauter Kaugummi oder sogar eine angebissene Wurst erwiesen. Selbst in die Tüte geblasen Atemluft reicht. Mit einem sauberen Geruchsträger können Hunde gar eineiige Zwillinge auseinanderhalten.

Ist die Gefahr da, dass der Geruch kontaminiert ist – beispielsweise von einer im gleichen Haushalt lebenden Person – ist es von Vorteil, dass diese vor Ort ist. Der Hund darf vor Beginn der Rituale an ihr riechen und wird mit dem Befehl „nein“ ausgeschlossen. Ist die Person nicht anwesend, wird ein Geruch ausserhalb einer Tüte (die Tüte gehört ja zum Ritual) zum beschnuppern gegeben, wieder mit dem Befehl „nein“. Danach beginnt das Prozedere mit den Ritualen, begonnen mit dem Anlegen des Geschirrs.

Hat man keinen Originalgeruch, muss man einen Abstrich an einem Ort machen, von dem man weiss, dass ausschliesslich die vermisste Person dies verwendet hat. Beispielsweise der Fahrersitz oder das Lenkrad seines Autos oder ein verwendetes noch nicht abgewaschenes Trinkglas. Möglich ist es auch, den Geruchsträger ein paar Minuten auf den Gegenstand zu legen. Der Geruch wird mit einer Baumwollgaze oder einem nicht parfumierten Papiertaschentuch entnommen und in den andernorts beschrieben Gefrierbeutel gesteckt. Aus hygienischen Gründen und um sich selbst vor Ansteckungen und dergleichen zu schützen empfehlen wir, Plastikhandschuhe anzuziehen – wie wir sie von den Pandemiezeiten her kennen.

Doch zurück zum Aufbau eines Mantrailer – Hundes: Hat der Hund gelernt, seine Nase zu Beginn in die Tüte zu stecken, muss man kontrollieren, ob er auch gelernt hat, welchem Geruch er folgen soll, nämlich dem der vermissten Person, die den Geruch geliefert hat. Lässt man zwei potentielle Figuranten, von denen nur einer den Geruch geliefert hat, in verschiedene Richtungen laufen, sieht man beim Versuch, ob der Hund der richtigen Spur folgt. Man kann auch eine Person weglaufen lassen und die Person, die den Geruch geliefert bleibt im Startgebiet: Der Hund muss nun die Person im Startbereich anzeigen. Man kann dies auch mit so genannten „Verleitpersonen“ testen, welche zu Beginn mit der vermissten Person mit laufen, dann aber nach und nach einen anderen Weg gehen und in grossem Bogen an den Ausgangsort zurück kehren. Der Hund sollte sich nicht ablenken lassen und weiter der vermissten Person folgen.

Zurück